SPD-Fraktion kritisiert Entfernung des documenta-Graffitis – Kopec und Kalveram: „Ruruhaus-Graffiti hätte Teil eines offenen Dritten Ortes werden können“
Die SPD-Fraktion Kassel kritisiert scharf, dass mit der Entfernung des documenta-Graffitis am sogenannten Ruruhaus offenbar bereits begonnen wurde. „Wir sind fassungslos über dieses Vorgehen. Noch bevor die politischen Gremien überhaupt die Möglichkeit hatten, sich mit dem Thema zu befassen, werden Fakten geschaffen. Das ist kein angemessener Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum, mit der Geschichte der documenta-Stadt Kassel und auch nicht mit demokratischer Beteiligung“, erklärt Ramona Kopec, kulturpolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion Kassel.
„Am Samstag erfährt die Öffentlichkeit aus der Zeitung von der geplanten Entfernung, am Sonntag äußern wir unsere Kritik und am Montag ist das Kunstwerk bereits überstrichen. Das wirkt wie eine Nacht-und-Nebel-Aktion. Ein solches Vorgehen beschädigt das Vertrauen in politische Verfahren und lässt jede Sensibilität für die Bedeutung dieses Ortes vermissen“, erklärt Esther Kalveram, Co-Fraktionsvorsitzende. Die SPD-Fraktion hatte angeregt, die Entfernung des Graffitis noch einmal kritisch zu prüfen und zunächst transparent darzustellen, welche Möglichkeiten für den Erhalt und eine Integration in das künftige Nutzungskonzept geprüft wurden.
Mit Blick auf die geplante künftige Nutzung des Ruruhauses als Stadtbibliothek und Dritter Ort hält die SPD-Fraktion das Vorgehen für unverständlich. „Gerade der Geist, den die documenta fifteen und dieses Graffiti ausgestrahlt haben, hätte gut zu einem offenen, einladenden Haus für Bildung, Kultur, Begegnung und Teilhabe gepasst. Eine moderne Stadtbibliothek lebt von Offenheit, Sichtbarkeit und niedrigschwelliger Einladung. Statt diese Verbindung zumindest ernsthaft zu prüfen, wird sie nun einfach überstrichen“, kritisiert Kopec.
Besonders irritierend ist aus Sicht der SPD-Fraktion auch die symbolische Wirkung dieser überstürzten Entfernung. „Die Art und Weise des Vorgehens erweckt den Eindruck, als solle eine sichtbare Spur der documenta fifteen möglichst schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt werden“, so Kopec, und Kalveram ergänzt: „Gerade angesichts der kontroversen Debatten um die documenta fifteen wäre jedoch ein reflektierter, transparenter und kulturpolitisch sensibler Umgang notwendig gewesen. Wer ein solches Werk ohne öffentliche Beratung und ohne erkennbare Auseinandersetzung überstreicht, sendet das falsche Signal.“
Die SPD-Fraktion fordert den Magistrat auf, das Vorgehen umgehend zu erklären. Insbesondere müsse dargelegt werden, wer die Entfernung veranlasst hat, auf welcher Grundlage sie erfolgt, welche Alternativen geprüft wurden und warum die politischen Gremien nicht vorab beteiligt wurden.
„Kassel ist documenta-Stadt. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, muss mit den sichtbaren Spuren der documenta im Stadtraum sorgsamer umgehen. Dieses Vorgehen war der Bedeutung des Kunstwerks und der Rolle Kassels als Kulturstadt nicht angemessen“, erklären Kopec und Kalveram abschließend.


