Sprache beeinflusst unser Denken – und zwar stark. Sie schafft Wirklichkeit und prägt in hohem Maße unsere Denkmuster und die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen.

Lernen Menschen z.B. neue Farbwörter, können sie Farben anders unterscheiden. Welche Farben wir benennen können, bestimmt also, welche Farben wir sehen. Daraus folgt: Was man nicht bezeichnet, sieht man auch nicht. Das gilt leider nicht nur für Farben, sondern viel zu oft auch für alle Geschlechter, die nicht das männliche sind.

Sprache muss präzise sein

Sprache ist also nie neutral und immer mächtig. Allein deshalb möge sie doch bitte präzise sein – auch und gerade in Sachen Gender. Von dieser Genauigkeit sind wir jedoch weit entfernt. So heißt es dann oft in einer Vorbemerkung zum Sprachgebrauch:

Wenn von Bürgern oder Bewohnern die Rede ist, so schließt dies die Bürgerinnen und Bewohnerinnen ebenso ein. Die weiblichen Beteiligten und Betroffenen werden um Verständnis gebeten.

„Nun, ich habe dafür kein Verständnis“, so Sabine Wurst, unsere gleichstellungpolitische Sprecherin. „Denn Worte sind an Vorstellungen, Emotionen und Bilder gekoppelt, die eine Wirkung auf uns haben. Somit kann Sprache z.B. trösten oder verletzen – oder ignorieren. Und sie ignoriert Frauen zu oft“, so Wurst.

Das hat fatale Folgen: Solange Frauen in der Sprache nicht sichtbar machen, bleibt die Gleich-berechtigung der Geschlechter unsichtbar und wird auch nicht wirklich gelebt.

„Frauen machen rund 50 Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Wir haben es mehr als nur verdient, genannt zu werden“, findet Wurst. Es ist also längst überfällig, immer und überall auch die weibliche Form zu verwenden – und nicht nur mitdenken zu lassen.

Oder noch besser: Solche Formulierungen zu verwenden, die geschlechtsumfassend bzw. neutral sind – z.B. Lehrende anstatt Lehrerinnen und Lehrer. „Ein solcher Sprachgebrauch ist inkludierend und trägt der Vielzahl geschlechtlicher Identitäten Rechnung. Wir leben im Jahr 2020. Es ist höchste Zeit für gendergerechte Sprache“, begrüßt unsere gleichstellungspolitische Sprecherin daher das Ja der StaVo zu unserem Antrag „geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung“.