Gut
wohnen in Kassel
Wo
die Kasseler gut wohnen - das entspricht wohl in erster
Linie deren subjektivem Empfinden. In diese subjektive
Beurteilung fließen Kriterien ein, die sehr persönlicher
Art sind und nicht mit denen eines bundesweit ansetzenden
Wohnkompasses übereinstimmen müssen, so
der Stadtverordnete Wolfgang Rudolph, Sprecher der SPD-Fraktion
für Stadtentwicklung.
Dennoch
sei es löblich, wenn das Wirtschaftsmagazin Capital
den Versuch unternehme, nach einheitlichen Kriterien Wohnstandorte
in der ganzen Republik transparent und vergleichbar zu
machen. Rudolph warnt aber davor, die Ergebnisse bis hinunter
auf die Ebene von Straßenzügen unkritisch zu
betrachten. Je näher man an die Menschen und
ihre Wohnungen herangeht, umso ungenauer werden die Erkenntnisse.
Das ist der angewandten Methode geschuldet, denn für
solche Bewertungen des Mikrostandortes fehlt eine ausreichende
Zahl von Beurteilungsdaten.
Ellen Lappöhn, wohnungspolitische Sprecherin der
SPD-Fraktion, weist auf mögliche negative Folgen
solcher Studien hin: Betrachtet man die von Capital
herausgegebene Karte, so häufen sich die Quartiere
mit einfacher Lage zum Beispiel im Kasseler
Osten. Dadurch werden alte Vorurteile bestätigt und
vermeintlich wissenschaftlich abgesichert. Daraus kann
ein Image-Schaden entstehen. Dies sei ärgerlich,
weil doch gerade solche Wohnlagen über interessante
Potenziale verfügten. Warum sollte sich ein
nach Kassel ziehender Neubürger nur an den TOP-Wohnlagen
orientieren - im Kasseler Osten beispielsweise sind die
Preise wesentlich günstiger als am Habichtswaldrand,
und es gibt auch dort grüne und ruhige Wohnstandorte,
so Lappöhn.
Aus Kasseler Sicht beinhalteten die Ergebnisse etliche
Widersprüche innerhalb der Stadtteile und Wohnbezirke,
die aus der vor-Ort-Sicht nicht erklärbar seien.
Insgesamt komme Kassel bei dieser Erhebung aber nicht
schlecht weg - über das ganze Stadtgebiet verteilt
fänden sich gute Wohnlagen in großer
Zahl, die offensichtlich Nachfrage erführen. Kassel
scheint von anziehender Wirtschaftskraft und endlich wieder
mehr Arbeitsplätzen ebenso zu profitieren, wie durch
die erhalten gebliebene dezentrale Struktur seiner vielfältigen
Stadtteilkulturen, bilanzieren Lappöhn und
Rudolph.